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JULI. SUMMER WHITE

Weiß ist die Farbe des Sommers. Weiß sind die Schönwetterwolken am Horizont, weiß sind die Segel der Boote auf dem himmelblauen Wasser, weiß die Sonnenschirme auf der Terrasse der »Kaiserin Elisabeth« in Feldafing am Starnberger See. Der Blick fällt auf bläuliche Bergzüge, die immer blauer werden und immer unwirklicher und sich in der Ferne verlieren.

Haben wir vergessen, wie schön eine Frau (oder ein Mann) ganz in Weiß aussehen kann? Ganz egal, ob auf einer Gartenparty, am Strand oder in der Stadt. Ein weißes Kleid, eine weiße Hose, ein weißes Spitzentop, ein weites weißes Hemd. Eine weiße Bluse kann puristisch sein oder romantisch, sie kann Schleifen haben, Biesen, Rüschen oder überlange Manschetten – sie wirkt immer frisch, freundlich und clean.

Linda, Tatjana, Christy, Estelle, Karen und Rachel © Peter Lindbergh / Vogue US 1990

Robin Wright Penn 2010 © Peter Lindbergh / Pleasurephoto Room

Franca Sozzani © Peter Lindbergh / Interview Magazine

Lara Stone, Los Angeles 2016 © Peter Lindbergh

Weiß ist keine Farbe. Weiß ist eine Philosophie: pur, klar und schlicht. Weiß passt zu allem, zu jedem und überall hin. Ein Ausflug aufs Land? Mit weißen Sneakern, Strohhut und dem Duft von Lavendel. Eine Reise in ein fernes heißes Land? Mit tropentauglichem Kostüm und schwarzen Accessoires. Ein Termin in der Stadt? Mit weißem Blazer und schwarzem Rock, schwarzem Top oder schwarzer Hose. Weil die Kombination der Nichtfarben Schwarz und Weiß einfach unschlagbar ist.

Milla Jovovich © Donna Karan’s Spring 2001 ad campaign / Mikael Jansson

»Lunch in Brooklyn/The Heist« © Vogue Italia  2015 / Peter Lindbergh

Weiß ist die nächste Farbe am Licht. Weiß ist der Ursprung aller Farben. Erst wenn das weiße Sonnenlicht gebrochen wird, entstehen alle anderen Farben des Spektrums. Weiß ist auch auch die Summe aller Farben. Wenn farbige Lichtkreise übereinander projiziert werden, erscheint in der Mitte ein reines Weiß. Weiß ist die Voraussetzung. In der Photographie existiert das Weiße vor der Belichtung – das weiße Papier ist die Bedingung für das Bild. Weiß ist auch die Summe aller Töne. Wenn alle Töne der Welt gleichzeitig vorhanden sind, entsteht ein weißes Rauschen – ein Nachhall des Urknalls.

Imogen Cunningham, Muscheln, um 1930 ©  Imogen Cunningham Trust

Weiß sind Kreide, Kalk und Knochen. Weiß sind Meerschaum, Muschel und Milch. Weiß ist die Farbe des Anfangs – rein und makellos wie der Morgen der Welt. Weiß ist nicht nur eine zeitlose Farbe. Weiß ist die Farbe der Zeitlosigkeit.

Weiß ist die Farbe der Stille und der Leere. Auch die Farbe des Friedens. Wer die weiße Fahne schwenkt, darf nicht mehr angegriffen werden. Seit alters ist Weiß auch die Farbe der Unschuld und der Unbeflecktheit – ein Ausdruck sind die weißen Kleider der Bräute, der Erstkommunionsmädchen und der Getauften. In der christlichen Symbolik steht die weiße Lilie für die jungfräuliche Madonna, in der chinesischen Symbolik ist der weiße Reiher der heilige Vogel der Unsterblichkeit.

Weiß wirkt immer jung. Weiß ist das Neue, das noch nicht gezeichnet ist. Weiß ist wie das Glück, der Glaube und das Gute.

Vanessa, Maartje, Hedvig, Grace und Clémentine © Valentino Spring/Summer 2015 ad campaign / Michael Pudelka

Chanel Resort 2018 Ancient Greek © The Week Portfolio

Weiß ist auch die Farbe der Engel. Die Engel nämlich, so heißt es, sind aus Licht und Feuer erschaffen. Ihr Antlitz ist strahlend wie die Sonne, ihre Gestalt hell wie ein Blitz und ihre Gewänder blendend weiß wie Schnee. Die Engel verkörpern die Sehnsucht nach einer vollkommenen Schönheit, die niemals vergeht. Weiß ist die Farbe der Ewigkeit und der Unendlichkeit.

Amber Valetta, New York @ Peter Lindbergh / Courtesy of Peter Lindbergh / Gagosian Galleryfashion by Helmut Lang Spring/Summer 1994

Der Maler Kasimir Malewitsch, Hauptvertreter der russischen Avantgarde im frühen 20. Jahrhundert, hat einmal notiert: » Weiß als die wahre, wirkliche Idee der Unendlichkeit und folglich befreit vom Farbhintergrund des Himmels. Schwebt hinaus! Der weiße, freie Abgrund, die Unendlichkeit, liegt vor uns … «

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