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B WIE BEACH

Ein heller Himmel, Brandung und blaues Wasser. Salzige Luft und weißer Sand. Freiheit und Weite. Und Muscheln, die regenbogenfarben schimmern wie die Fingernägel von Engeln. Das ist der Traum.

IN DEN HAMPTONS

Die Hamptons, jenes kleines Stück Küste am Ostende von Long Island, ist seit je das Sommerdomizil der reichen New Yorker. »Billionaires Lane« hat die Zeitschrift »Forbes« die Meadow Lane am Strand von Southampton genannt – ein bißchen reich sein reicht hier nicht.

Die Villa »Lasata« in East Hampton, in der Jackie Kennedy und ihre Schwester Lee Radziwill die Sommer ihrer Kindheit verbringen © Courtesy Douglas Elliman

Natürlich gehören die Hamptons schon immer der amerikanischen Society. Doch in der Mitte des 20. Jahrhunderts finden damals unbekannte Künstler wie Jackson Pollock oder Willem de Kooning noch Farmhäuser, in denen sie billiger leben und arbeiten können als in New York. Julian Schnabel malt die meisten seiner Bilder in einem Open Air Studio in Montauk, gleich nebenan wohnt Andy Warhol. Die Hamptons sind ein Paradies für Künstler und Photographen, die dieses klare Licht lieben, das man sonst nirgendwo findet. Heute zählen die Immobilienpreise in den Hamptons zu den höchsten der Welt. Besonders begehrt sind die ehemaligen Ateliers der Künstler – Warhols eher windschiefe Hütte wechselte erst kürzlich für dreißig Millionen Dollar den Besitzer.

In den Hamptons © acAmber Valletta © Peter Lindbergh / Zeit Magazin 2015

Wenn die Hamptons trotz allem ein Traum sind, so deshalb, weil es hier weder große Hotels noch irgendwelche Bausünden gibt. Und weil der Hamptons Style noch immer derselbe ist wie im vergangenen Jahrhundert: Understatement! Kameras und Paparazzi sind ebenso verpönt wie schrille Outfits, die laut »eccomi« rufen. Man trägt weiße Jeans oder Leinenhosen, Cashmerepullover in Cremetönen, helle Sommerkleider und Lochstickereien oder, bei windigem Wetter, einen Trench. Dieser »Style« paßt übrigens an alle nördlichen Strände, auch nach Sylt.

Kate Moss © Peter Lindbergh / Vogue Italia 2016

In den Hamptons beginnt die Sommersaison mit dem »Memorial Day« im Mai und endet mit dem »Labor Day« im September. Danach stehen die Villen für die nächsten neun Monate wieder leer, gehört der Strand wieder den Vögeln, den wenigen Spaziergängern und sich selbst.

AM MITTELMEER

Er gibt eine Diskrepanz zwischen Traum und Wirklichkeit. Der Traum von den Stränden am Mittelmeer stammt aus den 50er und frühen 60er Jahren, als Grace Kelly in Rüschenbluse und Caprihose im Hafen von Cannes flaniert und Brigit Bardot im knappen Bikini am Strand von Saint Tropez posiert. Als es noch keinen Massentourismus und keinen Meeresmüll gibt, keine gigantischen Kreuzfahrtschiffe und keine Schlauchboote mit Flüchtlingen aus Afrika.

Grace Kelly 1955 im Hafen von Cannes © Getty Images

 Der Traum von pittoresken kleinen Fischerorten, von bunten Booten und glitzerndem Wasser, von romantischen Stränden und einsamen Buchten ist längst ausgeträumt. Heute steht man im Stau. Heute liegt man dicht an dicht, Handtuch an Handtuch, Sonnenschirm an Sonnenschirm und sucht den Alltag zu vergessen und die Betonklötze mit den vielen Fensterlöchern, die die mittelmeerischen Küsten säumen. Mallorca steht kurz vor dem massentouristischen Kollaps, Capri ist nur noch in den frühen Morgenstunden oder am späten Abend schön und Saint Tropez nur noch von ferne oder vom Deck einer privaten Yacht.

Edita Vilkeviciute © Gilles Bensimon / Vogue France 2013

Natürlich gibt es noch die großen historischen Hotels der Côte d’Azur wie das Hotel Negresco an der Promenade des Anglais in Nizza, das 1912 im Stil der Belle Époque errichtet und ein Treffpunkt für den europäischen Adel und Geldadel wird. Oder das Hôtel du Cap-Eden-Roc in Antibes, das schon seit 1870 majestätisch auf den Felsen thront, über den Pinienwald hinüber aufs Meer blickt und so prominente Gäste wie Greta Garbo, Winston Churchill, Pablo Picasso und die Duchess of Windsor beherbergt hat. Wenn man morgens die taubenblauen Fensterläden öffnet, die warme salzige Luft atmet und auf der Terrasse am Pool frühstückt, dann gibt es ihn noch, den schönen Traum vom Mittelmeer.

Hotel du Cap-Eden-Roc © Vogue Australia / Oetker Collection

Orte wie diese scheinen immun gegen die Gegenwart. Hier herrscht noch ein alter Luxus – unaufgeregt, unprätentiös und diskret. Es gibt weder Hightech noch Bling-Bling, dafür Raum und Ruhe, Zeit und Privatheit. Das ist auch der neue Luxus. Die Gegenwart nämlich ist nur wenige Schritte entfernt. Von der Promenade des Anglais in Nizza haben wir im Juli 2016 sehr andere Bilder gesehen – Bilder von Terror und Tod.

Irgendwohin muß man den Traum retten, wenn die Wirklichkeit zum Albtraum wird. Notfalls in die Nostalgie. Nicht zufällig greifen die italienischen Designer in ihren Sommerkollektionen heute gern auf Retro-Styles zurück und drucken Blumen, Zitronen, traditionelle Liegestuhlstreifen und alte Postkarten-Motive auf Badeanzüge, Kleider und Tops. Auch die schwarze Spitze, einst ein Attribut des Katholizismus in den südeuropäischen Ländern, gehört dazu.

Dolce & Gabbana Spring/Summer 2013 ad campaign

Die Accessoires: eine große dunkle Sonnenbrille, eine Korbtasche aus geflochtenen Palmblättern, Espadrilles oder griechisch-römische Sandalen.

KARIBIK

Die Welt ist ungerecht. Auch am Strand. Die einen residieren auf einer Privatinsel wie Parrot Cay, die anderen drängeln sich millionenfach in den All-Inclusive-Hotelanlagen der Dominikanischen Republik.

Parrot Cay besteht im Grunde nur aus einem einzigen Resort. Für rund 6000 US-Dollar pro Nacht kann man hier eine der Strandhütten mieten. Nur Designerin Donna Karan und Stones-Gitarrist Keith Richards besitzen eigene Anwesen.

Adriana Lima © Donna Karan Urban Zen Spring 2012 ad campaign

Edita Vilkeviciute © Gilles Bensimon / Vogue France Juni/Juli 2013

Der berühmteste Hot Spot der Karibik ist die Insel Saint-Barthélemy – türkisfarbenes Wasser, unverbaute Buchten, eine üppig grüne Vulkanlandschaft, feinkörniger Sand und ein Himmel, der so blau ist wie im Reiseprospekt. Nicht zufällig hat David Rockefeller hier in den 50er Jahren zwei Strände gekauft und ein Urlaubsparadies der Superlative gebaut. Seither ist St. Barths ein Lieblingsort des internationalen Jetset. Ganz egal, welchen prominenten Namen man listen mag – was langweilig ist – sie waren und sind alle da. In dem französischen Übersee-Départment dominiert der »Savoir Vivre« – entspannt und glamourös.

The Sanctuary Guest Villa Parrot Cay © Luxury Retreats

Isabeli Fontana © Agua de Coco Spring 2016 ad campain

Wer nicht unbedingt aussehen möchte wie Johnny Depp in »Pirates of the Caribbean«, trägt schwarze oder bunte Bikinis und Kleider mit erdigen Prints oder Dschungelmotiven.

Übrigens: Der berühmte Strand an der thailändischen Maya Bay aus dem Film »The Beach« mit Leonardo DiCaprio ist derzeit wegen touristischer  Übervölkerung geschlossen – Plastikmüll und die Abwasser der Strandhotels haben die Korallenriffe schwer beschädigt. Für St. Barth steht das nicht zu befürchten – die Insel ist einfach zu teuer.

WEST COAST

Los Angeles © ac

Lassen wir den roten Baywatch-Badeanzug von Pamela Anderson aus den Achtzigern mal beiseite. Die kalifornische Küste hat weit mehr zu bieten. Jung, lebendig und trendig sind die Strände von Venice oder Santa Monica, endlos, breit und beinahe menschenleer die Strände von Newport oder Huntington Beach. »Best place in the world«, sagt die elegante ältere Dame, bevor sie sich zum Lunch in die Malibu Farm auf dem Pier begibt, die frischen Fisch und Gemüse der Saison serviert – »fresh, organic, local«.

Kendall Jenner, Ashley Graham, Gigi Hadid und Liu Wen am Strand von Malibu © Inez and Vinoodh / Vogue US 2017

Am Pier von Santa Monica © ac

The Baja Campaign © Noah Stone / James Perse

Aus Kalifornien kommen nicht nur immer neue »Health«- und »Superfoods«, sondern auch der angesagte Modetrend »Athleisure«, der Yoga-Pants, Workout-Tops, Sweatshirts und Sneaker in die Kollektionen fast aller Designer getragen und mittlerweile auch die Straßen von New York, Mailand und London erobert hat. Man träumt von Freizeit, Freiheit und Ferien – auch in der Berliner U-Bahn. Leider sieht dieser Trend an den Stränden der West Coast, an denen überall Surfer, Radler, Skater, Beachvolleyballer und Bodybuilder zu finden sind, deutlich besser aus. Am berühmten Muscle Beach in Venice hat übrigens schon Arnold Schwarzenegger trainiert, um seinen Titel als »Mister Olympia« zu verteidigen. Die kalifornische »body culture« braucht nicht viel – ein paar Gewichte und Ringe, Bänke und Bretter, Wasser und Wind.

Am Strand von Newport © ac

Gigi Hadid © Guess Spring 2015 ad campaign

Der West-Coast-Stil wird heute von California-Models wie Gigi Hadid oder Kendall Jenner verkörpert. Er ist natürlich, lässig und beiläufig – auch wenn die Beiläufigkeit gelegentlich sorgfältig inszeniert ist. Ansonsten hat sich seit den Siebzigern eigentlich nicht viel verändert. Die angesagten Labels wechseln, aber Bikini und Jeans-Shorts, Sportswear, Vintage und Hippie-Schmuck sind noch immer unverzichtbar.

Abseits aller Wirklichkeit bleibt der Traum vom Strand, von unbekümmerter Freiheit und Weite und einem flimmernden Licht, das sich in den Wellen bricht, wohl ewig gültig. Sunny greetings from the beach!

Beitragsbild © Peter Lindbergh / Vogue Germany 2017

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